Die Angst vor Hunden

Der Herzschlag beschleunigt sich genauso wie der Herzschlag. Ein leichter Schweißfilm bildet sich auf der Haut. Die Muskulatur angespannt, du suchst einen Ausweg. Wo kann ich hingehen? Wohin weiche ich aus?

Angst ist ein ganz normales, wenn auch unangenehmes Gefühl. Wir spüren es, wenn wir uns in „gefährliche“ Situationen begegnen. Dabei entscheidet nicht unbedingt die Situation darüber, ob sich Angst lohnt, sondern unser Kopf.

Und manchmal alarmiert uns der Kopf zu sehr und verselbstständigt sich. Dann können wir nicht mehr bewerten, ob eine Situation wirklich bedrohlich für uns ist – allein die Sicht des Auslösers führt schon zu den Angstzuständen.

Wir kennen das von unserer Ronja. In ihrem „früheren Leben“ wurde sie misshandelt, was zu starken Angstreaktionen führte. Sich bewegende Türen, Besen, längliche Werkzeuge in menschlichen Händen – all das waren Reize, auf die sie mit Flucht oder defensiver Verteidigung reagierte. Auch, wenn wir als Bezugspersonen den Besen oder das Werkzeug in Händen hielten.

Aber dieser Zustand ist fluide. Es hilft, immer wieder die Erfahrung zu machen, dass ein Besen (o.ä.) nichts schlimmes bedeutet. Sie durfte sich bei uns damit auseinandersetzen, ohne dem ausgeliefert zu sein. Wir waren da und gaben Halt, ließen aber die Flucht nicht zu. Und unsere Ronja ist sowieso eine echte Mutmaus. Mit unseren Türen beschäftigte sie sich intrinsisch motiviert, also von sich aus.

Mittlerweile liegt sie entspannt im Kissen, wenn wir den Hof kehren. Wenn unser Schwager mit Werkzeugkoffer kommt, begrüßt sie ihn schwanzwedelnd und freudig. Türen sind kein Thema mehr.

Ronja hat gelernt, dass diese Gegenstände im Alltag nicht potentiell bedrohlich sind. Sie kann entspannen, auch wenn ein Mensch damit agiert. Sie kann bewerten, ob eine Flucht sinnvoll ist und hat damit ein viel entspannteres Leben.

Ein ähnliches Prinzip steht auch hinter meinem Konzept für Menschen mit Angst vor Hunden. Wir setzen uns mit dem bedrohlichen Reiz (Hund) auseinander und erarbeiten Strategien, um Hunde realistisch bewerten zu können. Darüber schreibe ich allerdings ein andermal, denn die kognitiven Ressourcen von Menschen eröffnen noch einmal andere Möglichkeiten der Auseinandersetzung. Doch erst einmal den Mechanismus einer übersteigerten Angst zu verstehen ist oft der erste Schritt.

(Anmerkung: In der Psychologie würde man in diesem Zusammenhang von Furcht sprechen, da es sich um einen bestimmten Auslöser handelt. Ängste sind per Definition eher diffus und ungerichtet. Im alltäglichen Sprachgebrauch reden wir allerdings von „Angst“ und ich orientiere mich in meinem Blog zum besseren Verständnis an der Alltagssprache.)