Wie kommt dein Hund wirklich zur Ruhe
In der tiergestützten Intervention leisten unsere Hunde Großartiges. Sie spenden Trost, motivieren und zaubern Lächeln in die Gesichter. Doch die Arbeit fordert ihnen mental viel ab. Wie schafft man es, dass der Hund nach oder während eines ereignisreichen Praxistages wirklich entspannt ist und nicht im Dauerstress verharrt?
Eine echte Pause im TGI-Alltag ist mehr als nur das Liegen auf einer Decke in einem Raum. Hier erfährst du vier effektive Säulen, mit denen dein Hund nachhaltig zur Ruhe kommt.
1. Losgehen, Stress abschütteln, schnüffeln, loslassen.
Eine kleine Auszeit mit großer Wirkung.
Eines unserer Rituale ist der gemeinsame Spaziergang nach einer Einheit. Wir nehmen uns Zeit für eine kleine Runde (bei uns 20 Minuten), aber schon 5 Minuten außerhalb der Einrichtung helfen beim Entspannen. Es geht nicht darum, Kilometer zu generieren! Es geht um eine gemeinsame, ruhige und ausgeglichene Zeit, die du so gestaltest, dass dein Hund runterfahren kann.
- Frische Luft und Reizwechsel: Der kurze Ortswechsel gibt dem Gerin das Signal: Die Arbeit ist zu Ende.
- Kleine Spieleinheiten einbauen: Suchspiele oder ein gemeinsames Sozial- oder Rennspiel setzen Oxytocin und Dopamin frei, sofern dein Hund das gerne mag. Achtung! Es gibt Hunde, deren Stresspegel dadurch steigt und Hunde, die diese Aktivierung brauchen.
- Schnüffeln erlaubt: Schnüffeln senkt die Herzfrequenz und hilft dabei, aufgenommene Reize mental zu verarbeiten.
- Durchatmen statt Leistungsmarsch: Eine Ruheübung auf dem Spaziergang reguliert das Nervensystem.
Bitte beachte: Weniger ist mehr! Eine Sache, die du bewusst mit deinem Hund tust, ist wertvoller als mehrere Dinge, die du ohne echte Freude machst. Das soll eure gemeinsame Zeit werden, nutze sie also gezielt für etwas, das euch dabei hilft, Stress loszulassen. Ob das für dich und deinen Hund ein lustiges Spiel, Schnüffelfreizeit oder ein gemeinsames Sitzen auf der Bank ist, das entscheidest du für dich.

Konditionierte Entspannung
Entspannung kann mit bestimmten Reizen (Musik, Düften) gekoppelt werden und somit auch in stressigen Situationen abgerufen werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Reiz immer dann gesetzt wird, wenn der Hund tiefenentspannt ist.
Bei uns sind übrigens die Stimmen und die Titelmelodie der drei Fragezeichen mit Schlafen verknüpft – meine Frau Theresa hört jeden Abend zum Schlafengehen eine Folge. Und wir anderen werden beim Klang der typischen ersten Takte schon richtig müde.
Warum kann dir das nach einem TGI-Einsatz helfen?
Unter Reizen oder nach aufregenden Erlebnissen oder großer Anspannung kann es Hunden beim „Herunterfahren“ helfen. Ein konditioniertes Entspannungssignal unterstützt das Nervensystem, schneller vom Aktivitätsmodus (Sympathikus) in den Ruhemodus (Parasympathikus) zu schalten.

Unterstützung durch Schlecken oder Kauen
Eine Schleckmatte oder ein Kauartikel kann ebenfalls zur schnelleren Regeneration beitragen. Die Biologie dahinter: Kauen und Schlecken setzen im Hundekörper Glücks- und Beruhigungshormone frei, z.B. Endorphin und Dopamin. Dein Hund ist fokussiert und beschäftigt, verarbeitet Erlebtes und baut ganz nebenbei Stresshormone ab.
Praktische Ideen für die TGI-Pause:
- Befüllte Schleckmatten (z.B. mit Quark oder Nassfutter)
- Ausgestopftes Kauspielzeug (hochwertig von (c) Kong).
- Verträgliche Kauartikel (z.B. Kaffeeholz, Rinderkopfhaut – sollte nicht stinken)
Körperliche Nähe: Gezielte Massagegriffe und Ruheübungen
Es gibt verschiedene Punkte am Hundekörper, die durch gezielte Berührungen, Ausstreichungen und Massagetechniken beim Hund zur Entspannung führen. Dazu zählt z.B. das ruhige Ausstreichen der Brust und Flanken Richtung Boden und andere Techniken, die ihr euch durch entsprechende Fortbildungen oder durch geschulte Hundephysiotherapeuten zeigen lassen könnt. Auch eine Ruheübung (Co-Regulation durch Berührung und
Wenn ihr das innerhalb der Arbeit nutzen wollt, beachtet bitte:
- Die Umgebung ist ruhig und reizarm! Such dir dafür ein ruhiges Zimmer und nimm dir kurz Zeit dafür.
- Sei mit den Gedanken bei deinem Hund, nicht bei der Arbeit. Schalte kurz ab.
- Massiere im Vorfeld zuhause bei dir, sodass die Griffe mit Entspannung verknüpft sind und dein Hund sich darauf einlasssen kann.
- Nutze nur Griffe, die deinem Hund gut tun und die er (auch auf der Arbeit) genießen kann.

Fazit: Pausen sind genauso wichtig wie die Arbeit an sich.
Damit dein Hund Stress und Anspannung loslassen kann sind Pausen essentiell. Die hier dargestellten Möglichkeiten sind nur ein kleiner Teil eines großen Fundus. Finde gerne heraus, welche Art der Pause dir und deinem Vierbeiner gut tun und euch nach einer Einheit gemeinsam in die Ruhe und Verbundenheit bringen.
