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Der Hund macht das schon? Warum Therapiebegleithunde Führung brauchen

Einleitung: Die erste Praxiseinheit ist für beide neu

Die erste Praxiseinheit in einer Einrichtung ist für viele Therapiebegleithundeteams ein besonderer Moment. Die Ausbildung läuft, die ersten Übungen sitzen und nun geht es in die Praxis. Ein echter Raum, echte Begegnungen und Menschen, die den Hund noch nicht kennen.

Die Aufmerksamkeit richtet sich schnell auf den Hund. Wie reagiert er auf die Bewohner? Nimmt er Kontakt auf? Lässt er sich streicheln? Macht er bei den geplanten Übungen mit?

Dabei lohnt es sich, den Blick auch auf den Menschen am anderen Ende der Leine zu richten. Denn ein Therapiebegleithund muss eine solche Stunde nicht allein gestalten. Er soll es auch gar nicht.

Zu einem guten Therapiebegleithundeteam gehört ein Mensch, der seinen Hund durch die Situation begleitet, ihn unterstützt und ihm Entscheidungen nicht einfach überlässt, wenn er damit überfordert ist.

Der Hund muss nicht alles allein können

Hunde bringen unterschiedliche Eigenschaften, Erfahrungen und Fähigkeiten mit. Manche gehen offen auf fremde Menschen zu, andere brauchen Zeit. Einige können mit ungewöhnlichen Bewegungen, lauten Stimmen oder ungewohnten Berührungen gut umgehen. Andere müssen solche Situationen erst kennenlernen oder brauchen dabei mehr Unterstützung.

Das ist völlig normal. Entscheidend ist, wie wir als Hundeführer damit umgehen.

Wenn ein Hund zögert, sich abwendet oder nicht weiß, was er mit einer Situation anfangen soll, hilft es wenig, einfach abzuwarten. Auch die Hoffnung, dass er sich schon irgendwie zurechtfinden wird, ist keine gute Strategie.

Unser Hund ist schließlich nicht dafür verantwortlich, eine Praxiseinheit zum Erfolg zu machen. Er muss nicht von sich aus Kontakt aufnehmen, eine Aktivität mitmachen oder die Erwartungen erfüllen, die wir an diesen Termin geknüpft haben.

Es ist unsere Aufgabe, die Situation so zu gestalten, dass er sich orientieren kann. Wir können ihm einen anderen Platz anbieten, den Abstand vergrößern, eine Begegnung anders aufbauen oder eine Aktivität beenden. Manchmal reicht eine kleine Hilfestellung. Manchmal ist es sinnvoller, einen Schritt zurückzugehen.

Den Hund zu unterstützen bedeutet nicht, ihm alles abzunehmen. Es bedeutet, ihm nicht mehr abzuverlangen, als er in diesem Moment leisten kann.

Führung bedeutet, aufmerksam zu bleiben

In einer Einrichtung passieren viele Dinge gleichzeitig. Ein Bewohner möchte den Hund streicheln, jemand erzählt eine Geschichte, eine Pflegekraft kommt ins Zimmer und der Hund bewegt sich zwischen den Menschen. Vielleicht liegt er ruhig neben seinem Menschen. Vielleicht wird er unruhig, schaut häufiger zur Tür oder versucht, sich aus einer Situation zurückzuziehen.

Gerade in solchen Momenten ist unsere Aufmerksamkeit gefragt.

Wir sollten nicht nur damit beschäftigt sein, das geplante Angebot durchzuführen. Wir müssen gleichzeitig beobachten, wie es unserem Hund geht und wie die Menschen auf ihn reagieren.

  • Wie wirkt mein Hund gerade? Ist er entspannt, angespannt, unsicher oder zunehmend unruhig?
  • Braucht er Unterstützung? Kann er die Situation selbst bewältigen oder sollte ich ihm eine Orientierung geben?
  • Passt die Situation für beide Seiten? Ist der Kontakt für den Hund in Ordnung und fühlt sich auch der Mensch damit wohl?
  • Muss ich etwas verändern? Reicht ein anderer Abstand, eine kurze Pause oder braucht es einen vollständigen Abbruch?

Diese Fragen müssen nicht ständig bewusst durchgegangen werden. Mit Erfahrung wird vieles selbstverständlicher. Gerade am Anfang hilft es jedoch, sich diese Verantwortung immer wieder vor Augen zu führen.

Führung heißt auch, rechtzeitig zu handeln. Wir sollten nicht erst eingreifen, wenn der Hund deutlich ausweicht, sich entzieht oder kaum noch ansprechbar ist. Je früher wir kleine Veränderungen wahrnehmen, desto besser können wir die Situation anpassen.

Wenn der Hund Hilfe braucht, sind wir gefragt

Stellen wir uns vor, ein Bewohner möchte den Hund streicheln. Der Hund steht zunächst ruhig da, dreht dann den Kopf weg und beginnt, sich mit dem Körper abzuwenden.

Jetzt wäre es wenig hilfreich, den Bewohner einfach weiterstreicheln zu lassen, weil der Hund ja noch stehen bleibt. Ebenso wenig sollten wir darauf warten, dass der Hund sich deutlicher bemerkbar macht.

Wir können freundlich erklären, dass der Hund gerade eine Pause braucht, den Kontakt beenden und ihm ermöglichen, sich zurückzuziehen.

Oder eine andere Situation: Der Hund soll bei einem Beschäftigungsangebot mitmachen, versteht die Aufgabe jedoch nicht. Er schaut zu seinem Menschen, wendet sich ab oder probiert verschiedene Dinge aus, ohne ans Ziel zu kommen.

Dann liegt es an uns, die Aufgabe verständlicher zu machen. Wir können sie vereinfachen, den Ablauf verändern oder unserem Hund durch unsere Position und Körpersprache helfen. Wenn das Angebot weiterhin nicht passt, suchen wir eine andere Beschäftigung.

Das ist keine Schwäche des Hundes und auch kein Scheitern der Stunde. Es ist ein normaler Teil der gemeinsamen Arbeit.

Wir müssen nicht jede geplante Aktivität um jeden Preis durchführen. Ein Angebot darf verändert werden. Eine Begegnung darf kürzer ausfallen. Und eine Stunde darf auch einmal anders verlaufen als gedacht.

Nicht nur den Hund, sondern auch den Menschen begleiten

In der tiergestützten Arbeit begegnen wir Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Möglichkeiten. Manche gehen selbstverständlich auf einen Hund zu, andere sind unsicher. Einige können ihre Wünsche klar äußern, andere benötigen dabei Unterstützung.

Auch hier übernehmen wir Verantwortung.

Wir erklären, wie ein Kontakt zum Hund gestaltet werden kann, geben Hilfestellung bei einer Aktivität und achten darauf, dass niemand überfordert wird. Wir müssen einschätzen, wann wir begleiten, wann wir etwas anleiten und wann wir lieber einen Schritt zurücktreten.

Dabei geht es nicht darum, jede Begegnung bis ins Detail zu kontrollieren. Es geht darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich Mensch und Hund begegnen können, ohne dass einer von beiden mit der Situation allein gelassen wird.

Gerade bei Bewohnern, die sich nur eingeschränkt ausdrücken können, ist genaues Beobachten wichtig. Wir dürfen nicht automatisch davon ausgehen, dass eine Berührung angenehm ist, nur weil sie freundlich gemeint ist. Ebenso sollten wir dem Hund nicht jede Annäherung zumuten, nur weil der Mensch gerade Freude an ihm hat.

Die Bedürfnisse beider Seiten gehören in unsere Überlegungen. Unsere Aufgabe ist es, sie wahrzunehmen und miteinander in Einklang zu bringen, soweit das in der jeweiligen Situation möglich ist.

Verantwortung bedeutet auch, Grenzen zu setzen

Wer mit einem Therapiebegleithund arbeitet, möchte Menschen schöne Begegnungen ermöglichen. Das ist ein wichtiger Teil unserer Motivation. Trotzdem darf der Wunsch, einem Bewohner eine Freude zu machen, nicht dazu führen, dass wir die Signale unseres Hundes übersehen.

Nicht jede Begegnung muss stattfinden. Nicht jeder Bewohner muss den Hund anfassen können. Und nicht jede geplante Aktivität ist an jedem Tag sinnvoll.

Wenn ein Hund müde ist, Abstand braucht oder mit einer Situation nicht zurechtkommt, müssen wir das ernst nehmen. Auch dann, wenn sich jemand sehr auf den Besuch gefreut hat.

Das gehört zur Professionalität eines Therapiebegleithundeteams.

Wir tragen Verantwortung für unseren Hund, für die Menschen, mit denen wir arbeiten, und für die Gestaltung der gesamten Situation. Dazu gehört, Erwartungen zu erklären, Alternativen anzubieten und Grenzen freundlich, aber klar zu vertreten.

Unser Hund kann diese Verantwortung nicht für uns übernehmen.

Schluss: Ein gutes Team zeigt sich nicht daran, dass alles klappt

Gerade in den ersten Praxiseinheiten ist es verständlich, dass man vieles richtig machen möchte. Man hat sich Gedanken über die Stunde gemacht, Materialien vorbereitet und Ideen gesammelt. Nun soll das Gelernte in die Praxis umgesetzt werden.

Doch eine gute Praxiseinheit erkennt man nicht daran, dass der Hund jede Aufgabe ausführt und alle Angebote wie geplant funktionieren.

Sie zeigt sich auch darin, dass der Mensch Veränderungen wahrnimmt, rechtzeitig unterstützt und bereit ist, den eigenen Plan anzupassen. Dass er seinem Hund Orientierung gibt, ihm Pausen ermöglicht und ihn nicht mit Situationen allein lässt, die er noch nicht bewältigen kann.

Mit der Zeit lernen wir, unseren Hund immer besser zu lesen. Wir erkennen früher, wann er Hilfe braucht, und entwickeln ein Gespür dafür, welche Situationen zu ihm passen und welche Unterstützung sinnvoll ist.

Das ist ein Lernprozess, der nicht mit der bestandenen Prüfung endet.

Denn ein Therapiebegleithundeteam besteht nicht einfach aus einem Hund, der mit Menschen arbeitet, und einem Menschen, der danebensteht.

Wir gestalten diese Begegnungen gemeinsam. Und wir als Menschen tragen die Verantwortung dafür, dass unser Hund dabei nicht allein gelassen wird.